voriger Punkt
Kapitel 4: Deklination und Pronomen


  4.1.2 Dativ

Der Dativ ist der „Wem-Fall“, weil man nach dem Dativ mit „wem“ fragt.

Er hat ihr ein Buch geschenkt. => Wem hat er ein Buch geschenkt? => Ihr.

In der Schule werden die Fälle nach dem oben genannten Schema erklärt, nach dem Nominativ fragt man mit „wer“, es ist folglich der „Wer-Fall“, nach dem Genitiv fragt man mit wessen, es ist folglich er „Wessen-Fall“, nach dem Dativ fragt man mit „wem“ ist folglich der „Wem-Fall“ und nach dem Akkusativ mit „wen“ und folglich ist es der „Wen-Fall“.

Vielen Leuten ist aber nicht richtig klar, was das mit der Deklination auf sich hat und wir bieten aus diesem Grund unten einen alternativen Erklärungsansatz, der meistens stimmt, aber vielleicht verständlicher ist.

Beispiel  
Ich habe dem Hund Futter gegeben.
Wem (oder was) habe ich Futter gegeben? => dem Hund .
Sie geht mit ihm ins Kino.
Mit wem geht sie ins Kino? => mit ihm.

Wem das jedoch nicht einleuchtet, für den versuchen wir einen anderen Ansatz:

Bei den Verben lassen sich drei Typen unterscheiden.  
Verben, die gar kein Objekt nach sich ziehen (heißen intransitive Verben): Ich schwimme.
Verben, die ein Objekt nach sich ziehen (=> Akkusativobjekt): Ich esse einen Kuchen.
Verben, die zwei Objekte nach sich ziehen (=> Akkusativ- & Dativobjekt): Ich gebe ihm mein Auto

Ausnahmen, die als Verb nur ein Dativobjekt nach sich ziehen wie z.B. gehören, gratulieren etc.

Es gelten dann folgende Regeln.

a) Hat ein Verb nur ein Objekt, dann ist dieses Objekt in der Regel ein
Akkusativobjekt, egal ob es sich hierbei um ein Lebewesen oder ein Ding
handelt.  Ausnahmen gibt es (siehe c).
 
b) Hat ein Verb zwei Objekte, dann ist das Lebewesen oder die Vereinigung aus Lebewesen das Dativobjekt, das andere das Akkusativobjekt.
Ich gebe ihm einen Tisch.
Wir schenken Maria ein Auto.
Wir verkaufen der Firma das Grundstück.
=> Ihm ist ein Lebewesen, das ist Dativobjekt.
=> Maria ist das Lebewesen, das ist das Dativobjekt.
=> Die Firma ist die Vereinigung von Lebewesen,
      sie ist das Dativobjekt.
c) Einige wenige Verben haben auch nur ein Dativobjekt.
helfen
gratulieren
vertrauen
widersprechen
=> Ich helfe ihm.
=> Ich gratuliere ihr.
=> Ich vertraue dir
=> Er widerspricht dir. 

Zu dieser Regel gibt es in skurrilen Fällen Ausnahmen.

Ich verpasse meinem Haus einen neuen Anstrich.
=> Haus ist Dativobjekt, aber kein Lebewesen.

Der Fall lässt sich aber dadurch lösen, dass man versucht, ein Objekt durch ein Lebewesen zu ersetzen, es ist dann klar, dass nur Haus durch ein Lebewesen ersetzt werden kann, nicht aber der neue Anstrich.

Manchem mag diese Diskussion jetzt skurril erscheinen, sie ist es nicht, denn schon im Englischen können wir in einigen Fällen an der Form keinen Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ finden. Dann ist es hin und wieder gut zu wissen, wie man sich herleitet, welcher Fall welcher ist.

Auch im Englischen funktioniert das genauso. Hier kann man ebenso erfragen (Whom) oder suchen, was das Lebenwesen ist. Nur hier bringt die Deklination (oder hier sagt man besser das indirekte Objekt) keine Veränderungen mit sich.

Beispiel  
I gave food to the dog.
To whom did I give food? => the dog (Hund ist das Lebewesen)
She goes to the cinema with him.
With whom does she go to the cinema? => Him. (Er ist das Lebewesen)

Das Fragepronomen und das Personalpronomen ändern sich, wie wir hier sehen. Es heißt "To whom (Objektform) did I give the food". Und die Antwort ist nicht he (das wäre Nominativ) sondern him (Objektform). Allerdings verändert sich nicht, wie im Deutschen, das Substantiv. Im Deutschen heißt es nicht "Ich habe der Hund (Nominativ) Futter gegeben" sondern "Ich habe dem Hund (Dativ) Futter gegeben". Wir haben also eine Änderung in der Form des Artikels. Im Englischen ändert sich weder das Substantiv noch der Artikel. Lediglich die Präposition to zeigt an, dass 'the dog' ein Dativ ist. Also finden sich drei Möglichkeiten, einen Dativ herauszufinden:

1) Mit Fragen: Wem oder Was? / Whom?
2) Bei zwei Objekten ist es immer das Lebewesen
3) An der Präposition to.

Die grammatikalisch exakte Erklärung ginge so. Hat der aktivische Satz ein Akkusativobjekt, dann wird das Akkusativobjekt des aktivischen Satzes zum Subjekt des passivischen Satzes.

Er liest das Buch. => Das Buch wird gelesen.

In der Regel lässt ein aktivischer Satz nur in einen passivischen Satz transformieren, wenn der aktivische Satz ein Akkusativobjekt hat. Hierzu gibt es Ausnahmen, wie. z.B. "Es ist vollbracht", "Es wird gemacht". Das Problem bei diesen Sätzen ist, dass das Subjekt definitiv unbekannt ist. Der aktivische Satz, etwa "Man hat es vollbracht", "Man macht es so" hat nicht die gleiche Bedeutung. (Wobei man noch die beste Transformation wäre. "Er / Sie / Es hat es vollbracht" bzw. "Er / Sie / Es hat es gemacht" wäre noch weiter von der ursprünglichen Bedeutung entfernt.) Das Problem ist, dass das Infinita man darauf abstellt, dass etwas gewohnheitsmäßig getan wird.

Man isst mit Messer und Gabel. <=> Es wird mit Messer und Gabel gegessen.

In der Regel kann die Passivkonstruktion durch eine Konstruktion mit man ersetzt werden, aber nicht immer.


voriger Punkt
Kapitel 4: Deklination und Pronomen

Kontakt Impressum Datenschutz